Gut zu wissen

 

Klangvoll überzeugen

Die Gefühle haben großen Einfluss
Etwa 90% der zwischenmenschlichen Kommunikation läuft über Sprache und Stimme. Dabei geht es um mehr als Worte: "Es erklingt die gesamte Persönlichkeit. Stimme und Ausstrahlung hängen eng zusammen", betont Stimmbildnerin Monika Drux.
Und Stimme ist ein Spiegel der Seele: Die Art, wie ein Mensch seinen Stimmapparat nutzt, wird davon beeinflusst, wie er sich fühlt.
Wer gut gelaunt ist, hält sich automatisch aufrecht und streckt den Brustkorb. Die Muskelspannung ist erhöht. Die Aufhängung des Kehlkopfes optimal. Es können kräftige, klangvolle Töne produziert werden. Traurige Menschen lassen unbewusst die Schukltern hängen und haben weniger Körperspannung. Die Stimme klingt leise oder "dünn".

Unverwechselbar: das Timbre
Im Prinzip funktioniert die menschliche Stimme, wie eine Orgelpfeife: Die Lunge ist der Blasebalg, der Kehlkopf mit Stimmlippen und Stimmbändern das Ventil. Beim Sprechen und beim Singen wird hinausströmende Luft mit der Stellung der Stiummlippen in Schwingungen umgewandelt. Dieser Ton wird in Rachen, Mund- und Nasenhöhle - den Resonanzräumen des Kopfes - verstärkt.
Bei Geübten werden auch der Bauch oder sogar der gesamte Körper zum Klang- und Resonanzraum. Da jeder Hohlraum eine eigene Frequenz besitzt, die Form von Zunge, Zähnen und die Lippen unterschiedlich ist, entstet ein individueller unverwechselbarer Klang. Wie klangvoll und voluminiös er ist, hängt vom Körpereinssatz ab. Viele Menschen nutzen z.B., die Resonanzräume nicht optimal aus.
Ein häufiger Fehler: Sie atmen zu flach nur in den Brustkorb. Die Luft fehlt, um die Resonanzräume zu aktivieren und zu füllen.
Aufrechte Haltung, entspannter Brustkorb, tiefe Atmung in den Bauch hinein sowie klare Artikulation helfen dabei.

Den richtigen Ton finden
Im Rahmen der anatomischen Gegebenheiten lässt sich die Stimme variabel einsetzen. "Wir machen einen Unterschied, ob wir ein Kind trösten oder den Chef überzeugen wollen", sagt Stimmbildnerin Monika Drux. Ebenso prägend für die Art zu sprechen: das Nachahmen von Vorbildern, die Erziehung und das Selbstbild. Rutscht die Stimme beim Sprechen unbemerkt etwas zu hoch oder zu tief, kann das auf Dauer den Stimmapparat belasten. Möglicherweise ist die falsche Stimmlage auch der Grund, waum sich jemand z.B. nicht so gut durchsetzen kann. Denn die beste Ausstrahlung hat derjenige, der mit seinem natürlichen, zu ihm passenden Ton spricht. Darüber hinaus entscheiden auch Mimik, Körpersprache und Rhetorik, etwa eine abwechslungsreiche Satzmelodie, wie authentisch und suverän eine Person wirkt. "Ist alles stimmig, gelangt ein Sprecher in den Brustton der Überzeugung", konstatiert die Expertin.

So verbessern Sie ihre Stimme
Wer seine Stimme gezielt und regelmäßig trainiert, klingt schon nach drei Monaten sicherer und überzeugender. Eine wirksame Übung, wie sie ihre Resonanzräume entdecken, verrät Sängerin Monika Drux, die Seminare zur Stimmbildung gibt: Nehmen Sie eine bequeme Position ein. Eine Hand liegt auf der Schädeldecke, eine auf dem Brustbein. Denken Sie an eine Lieblingsspeise und lassen Sie ein "Mmmm" ertönen. Probieren Sie verschiedene Varianten aus. Je mehr die Luft in den Hohlräumen zirkulieren kann, umso klangvoller wird Ihre Stimme. Weitere Stimmübungen, mehr zur Stimmentwicklung und zum Singen mit Kindern finden Sie unter:
Stimmtraining für Kinder und Erwachsene

Singen Sie sich gesund
Seelische Belastungen beeinflussen die Stimme: "Sie schnüren die Kehle zu". Der Grund: Die Kelhkopfmuskeln reagieren sensibel. Bei Schreck oder Schmerz kann es z.B. passieren, dass die Stimmlippen nicht in Position kommen. Betroffene können oft nur noch flüstern oder gar nicht mehr sprechen. Aber die Stimme lässt sich auch positiv einsetzen: Schon nach 30 Minuten Singen produziert der Organismus Endorphine, so genannte Glückshormone, sowie das ausgleichend wirkende Serotonin. Gleichzeitig werden Stressoren wie Cortisol abgebaut. Der aktive Einsatz des Oberkörpers kräftigt die Rückenmuskulatur. Das rhytmisch arbeitende Zwerchfell massiert die Bauchorgane und das Herz. Es fördert die Durchblutung. Die intensivere Atmung verbessert die Versorgung mit Sauerstoff. Der Kreislauf kommt in Schwung. Studien belegen, dass Singen das Immunsystem stimuliert.
Forscher glauben sogar: Chorsänger leben länger.
Hier noch ein paar Informationen zum Thema Atmung:
Atmung - mehr als nur Luft holen

 

Pflege-Tipps:

Gut bei Stimme bleiben

Der Begriff "Stimmhygiene" bündelt Maßnahmen, die den Stimmapparat pflegen. Viele lassen sich im Alltag leicht berücksichtigen:

- Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, am besten zwei Liter Wasser über den tag verteilt. Das hält Stimmlippen und Schleimhäute feucht.

- Trainieren Sie Ihre Abwehrkräfte, um Atemwegsinfekte abzuwehren - häufoge Erkrankungen können auf die Stimmkraft schlagen.

- Schonen Sie Ihre Stimme bei akuten Entzündungen im Halsbereich.

- Kaffee, Pfefferminztee und Kamillentee sowie Halsbonbons mit Eukalyptus, Pfefferminze, Kamille und Menthol trocknen die Schleimhäute aus -
   der Stimme zuliebe in Maßen genießen.
   Gut für Hals und die Stimmbänder hingegen: Salbeitee, warmes Honigwasser, bei Heiserkeit Gurgen mit natürlicher Salzlösung.

- Sorgen Sie in Innenräumen für eine ausreichende feuchte und saubere Luft.

- "Überschreien" Sie keine laute Umgebung oder weitere Distanzen -benutzen Sie ein Mikrophon oder verscuhen Sie, Störfaktoren zu reduzieren.

Sollte die Stimme doch mal angeschlagen sein, finden Sie hier Hilfe: Heiserkeit: Wenn die Stimme streikt...

 

Experten-Interview

Dr. Henning Scherf (Präsident des Deutschen Chorverbandes, Berlin)

"Jeder kann singen"

Was ist dran, wenn jemand sagt: Ich kann überhaupt nicht singen?
Nichts! Das ist Einbildung oder fehlende Erfahrung, jemand hat vielleicht nie angefangen, nie geübt, hatte keine Vorbilder und traut sich nicht.
Kein Mensch ist unmusikalisch.

Wie lassen sich Hemmungen überwinden?
Einfach mal die eigene Singstimme ausprobieren. Es gibt genug Gelegenheiten, ob allein unter der Dusche oder zusammen mit Freunden im Fussballstadion. Es muss ja nicht gleich perfekt sein. Man singt vielmehr aus Spaß, um zu zeigen: Mir geht es gut!

Inwiefern zählt die Gemeinschaft?
Singen hat eine starke soziale Komponente! Wer mit anderen singt, schafft eine kunstvolle Gemeinschafsleistung, die Menschen miteinander verbindet - über die Grenzen der Sprache hinaus. Das sind wunderschöne Erlebnisse.

(Quelle: IKK aktiv+gesund Ausgabe 03/2008)

 

 

Singend gesund:
Mehr Mut zur Stimme

Weihnachtslieder unterm Tannenbaum, das hat bei vielen Familien Tradition.
Singen im Alltag dagegen ist out: Volksweisen gelten als unmordern, vergessen ist das alte Liedgut. Selbst bei angesagten Popsongs gilt: Vor anderen die Stimme zu erheben, ist den meisten peinlich.
Selber singen ist verpönt.

Zu Unrecht, denn Singen bringt außer Spaß auch Gesundheit.
Experten kritisieren die Singabstinenz in Familien, Kindergärten und Schulen.
Ein ganes Bündel förderlicher Folgen wird verschenkt: Die Kopfdurchblutung verbessert sich beim Singen, der ganze Körper wird stimuliert. Stimmbänder, Lunge, Herz, Zwerchfell, sogar der Beckenboden beginnt zu schwingen. Die Atmung wird tiefer und liefert mehr Sauerstoff.

Wer häufig länger singt, ist ausgeglichener und selbstbewusster, kann besser mit Sorgen und Stress umgehen. Alltagssänger sind lebensfroher und haben häufiger gute Laune. Sie sind hilfsbereiter und mehr in Kontakt mir ihren Mitmenschen.
Schon 20 Minuten täglich ein Liedchen trällern - egal was und wie gut - das steigert die Leistungsfähigkeit enorm.

Bei Sorgen und Trauer kann Singen Lebenshilfe sein.
Der Klang der eigenen Stimme beruhigt. Das swingende Zwerchfell aktiviert das Sonnengeflecht, das regulierend auf das autonome Nervensystem einwirkt. Wer bei Angst lange genug singt, bekommt wieder einen klaren Kopf und kann angemessen handeln.

Bei Schulkindern fördern Gesang und Musizieren zudem Schlüsselfähigkeiten mit denen es sich leichter und besser lernen lässt: Kreativität und Sprachgewandtheit etwa, Begeisterung und Motivation. Auch Gemeinschaft wird durch Singen unterstützt, wie im Gottesdienst, in Vereinen oder beim abendlichen Schlaflied.
Die verbindende Atmosphäre schafft Nähe, Ruhe und Harmonie.

Also mehr Mut zur eigenen Stimme!
Im Auto oder im Badezimmer, beim Wandern oder der Hausarbeit - entrosten sie ihre Stimmbänder, singen sie nach den Feiertagen einfach weiter und sich gesünder.

(Quelle: Dr.Susanne Holst/Prisma 12/03)

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